Publikationen https://th.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere Publikationen. de Copyright Fri, 07 May 2021 23:20:09 +0200 Fri, 07 May 2021 23:20:09 +0200 TYPO3 Publikationen https://th.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg https://th.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere Publikationen. news-43889 Wed, 03 Mar 2021 15:16:22 +0100 Was ist mit dem Stoff passiert? https://th.rosalux.de/publikation/id/43889?cHash=50d00a006284c2b476062c7b26e2626b Über die Apoldaer Strick- und Textilindustrie und ihren Wandel Die Wendezeit und die damit einhergehende Transformation des Wirtschaftssystems der DDR in das wirtschaftliche System der BRD hatte immense Auswirkungen auf das (berufliche) Leben vieler Menschen in Ostdeutschland. Die Geschichten von dem berühmten „1 Euro“ sind weitgehend bekannt, doch wurde nie wirklich ernsthaft die Arbeit der Treuhand aufgearbeitet.

Die vorliegende Broschüre von Lena Saniye Güngör, Helen Alexandra Kramer, Kevin Reichenbach und Julian Degen ist gedacht als einer von vielen nötigen Schritten hin zu einer ernstgemeinten Aufarbeitung. Die vier haben sich in Apolda auf eine Art Spurensuche begeben und nach Zeitzeug:innen gesucht, die bisher noch nicht oft zu Wort kamen. Nach der Wende wurden oft die Erfolgsgeschichten erzählt, doch für die überwiegende Mehrheit war diese Zeit der Transformation eine schmerzliche und verletzende Erfahrung.

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news-43865 Mon, 01 Mar 2021 10:30:50 +0100 »Geeignet, eine öffentliche Beunruhigung hervorzurufen« https://th.rosalux.de/publikation/id/43865?cHash=0764d9e01e701900bd127fb912e8603f Der Strafprozess gegen Rosa Luxemburg am 12. Dezember 1906 in Weimar und seine lokalen wie politischen Hintergründe Publikation anlässlich des 150. Geburtstags Rosa Luxemburgs

Mit Rosa Luxemburg feiert am 5. März 2021 eine der herausragenden Figuren der Arbeiter*innenbewegung ihren 150. Geburtstag. Ihr Wirken war vor allem durch die engagierte politische Tätigkeit in der deutschen Sozialdemokratie und schließlich den Bruch mit dieser gekennzeichnet. Luxemburg steht bis heute nicht nur für eine unverbrüchliche revolutionäre Haltung, sondern auch für eine theoretische Weiterentwicklung des Marxismus. Als politische Aktivistin nahm sie an allen entscheidenden Debatten der SPD teil.

Mario Hesselbarth greift eine Phase ihres Aktivismus auf, in der neben ihren vielzitierten Ausführungen zur Freiheit der Andersdenken ein entscheidender Unterschied etwa zum Bolschewismus sichtbar wird: ihre Haltung zum Verhältnis von Bewegungen und Organisation. Im Kontext des Prozesses vor dem großherzoglichen Weimarer Landgericht im Dezember 1906, vor welches Luxemburg nach dem Jenaer Parteitag 1905 vorgeführt wurde, stellt Mario Hesselbarth ihre Überlegungen zur Massenstreikfrage dar und schildert, wie sie mit dem Prozess verbunden waren.

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news-43864 Mon, 01 Mar 2021 10:18:34 +0100 30 Tage, die das Land bewegten https://th.rosalux.de/publikation/id/43864?cHash=f588970519a5b36d0745c903ce050bcf Erfurt, 05.02. bis 04.03.2020, Chronik eines politischen Erdbebens, Idee und Text: Luc Jochimsen Im Frühjahr 2020 trat Luc Jochimsen an uns als Thüringer Landesstiftung mit ihrer Idee heran, die Aufarbeitung der Tage zwischen dem 5. Februar und 4. März 2020 in einer inszenierten Form leisten zu wollen. Diese Zeit des Schwankens zwischen einem Kurzzeit-Ministerpräsidenten Kemmerich von Gnaden der AfD und einem Ministerpräsidenten einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung Ramelow, war ein »politisches Erdbeben« wie es Jochimsen nennt, dass die gesamte Bundesrepublik erschütterte. Viele sahen die Demokratie in Gefahr, gingen auf die Straße oder setzten alle Hebel in Gang, die ihnen zur Verfügung standen, um den Pakt mit dem Faschismus zu beenden. Wie Jochimsens Zusammenstellung der Originaltöne dieser Zeit zeigt, ging es in diesen Tagen um das Selbstverständnis des Politischen Systems der Bundesrepublik: Welche Lehren wurden aus der Weimarer Republik gezogen? Hatte es eine Kooperation mit Demokratiefeinden gegeben? Wären Konservative und Liberale in ihrer Mehrheit erneut bereit die Fehler von Weimar zu wiederholen, um eine vermeintliche Bedrohung von links abzuwehren?

Diesen Fragen geht Luc Jochimsen im Stil ihrer szenischen Lesungen »Kultur neu Denken« nach. Da die Szenische Lesung am 5. Februar in Berlin und auch unsere Veranstaltung am 4. März zur Wiederwahl Bodo Ramelows in Erfurt durch die Pandemie entfallen musste, haben wir uns als Landesstiftung entschieden Luc Jochimsens Textbuch (nach der Bearbeitung durch Franz Sodann) zu publizieren. Erstmals hatte es der Freitag am 5. Februar digital veröffentlicht. Gestaltet findet es sich jetzt bei uns und ist ab 4. März in gedruckter Form gegen Porto bei uns zu bestellen.

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news-43506 Fri, 11 Dec 2020 13:54:39 +0100 Heimvolkshochschule Tinz https://th.rosalux.de/publikation/id/43506?cHash=bec445f1bce0fe8fa2c35a87b572b5e8 Die »Heimvolkshochschule Tinz« nahe Gera war von 1920 bis 1933 die zentrale Bildungsinstitution der Arbeiter*innenbewegung in Thüringen. Aufbauend auf den Reformen des Volksbildungsministers Max Greil (USPD/SPD)steht sie mit ihrer reichsweiten wie internationalen Bedeutung für einen Leuchtturm der Volkshochschulbewegung. Bis zu ihrer Zerschlagung durch die Nationalsozialisten wurden an ihr jedes Jahr um die Hundert Funktionär*innen aus Parteien, Gewerkschaften  und Verbänden ausgebildet. Prominente Lehrende wie Hermann Brill gehörten genauso zum Einflusskreis von Tinz wie Schüler*innen, die später hohe Ämter bekleideten. Die von Ronny Noak vorgelegte Studie geht dem Selbstverständnis und dem Wirken der HVHS Tinz genauer nach und blickt auf die späteren Lebenswege und politischen Karrieren von Schüler*innen wie Lehrer*innen in BRD und DDR.

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news-43471 Tue, 08 Dec 2020 09:00:48 +0100 »... bleibe stolz und trage Deinen Kopf hoch« https://th.rosalux.de/publikation/id/43471?cHash=0ac49e8af57eb8183db49c8bd3784448 Eine Kurzbiografie über Karl Zink Die Broschüre gibt es als PDF-Dokument hier.

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news-43455 Thu, 03 Dec 2020 13:54:28 +0100 Die politische Linke in Katalonien und Irland https://th.rosalux.de/publikation/id/43455?cHash=3e478932bfab8c10169e72d784856066 Wie passt der Nationalismus zu einem linken Selbstverständnis? Als im Herbst 2017 die Katalonien-Krise mit der einseitigen Unabhängigkeitserklärung der autonomen Region begann, drängte eine Frage innerhalb der EU auf die Tagesordnung, die viele Linke in Deutschland für erledigt hielten: die nationale Selbstbestimmung. Gerade in Westeuropa schien eine solche Politik dies unvorstellbar. Existierende Bewegungen bspw. im Baskenland oder der irische Republikanismus wurden als Überreste einer antiimperialistischen Zeit nach 1968 abgetan oder im Fall der SNP in Schottland als Ergebnis der Krise der Repräsentation. Jegliche Unabhängigkeitsbestrebungen galten als aus der Zeit gefallen. Und in der jüngeren Geschichte Osteuropas hatten nationale Bewegungen u.a. in den Jugoslawienkrieg geführt. Nationale Bewegungen wurden vor dem Hintergrund deutscher Geschichte als etwas angesehen, dass zerstörerisch wirkt. Umso überraschter reagierten hiesige Linke auf die Existenz einer Linken in Katalonien (bspw. der CUP), die für die nationale Selbstbestimmung eintrat. Linke Politik und nationale Selbstbestimmung vereinbaren? – das schien doch unmöglich. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen ging dieser Frage schon auf Bildungsreisen nach Katalonien und ins Baskenland nach. Mit der Studie von Paul Gruber, die im August 2020 von als Bachelorarbeit an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt eingereicht wurde, setzen wir diese Auseinandersetzung, mit dem alles andere als „veralteten“ Phänomen der linksnationalistischen Bewegungen fort, die in Spanien, bei der Grenzregelung zwischen Irland und Großbritannien in Folge des Brexit und damit für die Europäische Union zentrale Bedeutung haben.

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news-42280 Mon, 18 May 2020 09:52:40 +0200 Rassismus und Diskriminierung bekämpfen https://th.rosalux.de/publikation/id/42280?cHash=187de5d09adba8aa98adacf6178de157 Ergebnisse der Enquetekommission gegen Rassismus des Thüringer Landtages In der Broschüre „Rassismus und Diskriminierung bekämpfen“ werden von Sabine Berninger, Katharina König-Preuss, Dr. Jennifer Petzen, Christian Schaft und Paul Wellsow die Arbeit und die Ergebnisse der Enquetekommission gegen Rassismus des Thüringer Landtages zusammengefasst und bewertet. Eingerichtet als eine Konsequenz aus den Taten der Rechtsterroristen des „NSU“ und dem Versagen des Staates im Kampf gegen Rechts beschäftigte sich das Thüringer Parlament auf Initiative von LINKE, SPD und Grünen mit Ursachen und Erscheinungsformen von Rassismus in der Gesellschaft, in Institutionen und staatlichen Stellen und machte Vorschläge für Gegenmaßnahmen.

Die Broschüre gibt es als PDF-Dokument hier und kann kostenfrei gedruckt bestellt werden: thueringen@rosalux.org

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news-41563 Thu, 30 Jan 2020 15:36:41 +0100 Theodor Neubauer: Der „rote Doktor“ (1890 – 1945) https://th.rosalux.de/publikation/id/41563?cHash=b3e153919deb88c39cb730780f72ae97 Am 5. Februar 1945 wurde der Thüringer Staatsrat der SPD-KPD-Landesregierung (1923), KPD-Reichstagsabgeordnete und Antifaschist Theodor Neubauer von den Nazis ermordet. Wir veröffentlichen aus Anlass seines 75. Todestages eine biographische Skizze von Helga Raschke aus dem Buch „Gelebte Ideen - Sozialisten in Thüringen. Biographische Skizzen“ (Hg. Hesselbarth/  Schulz/ Weißbecker, 2006, Jena).

„Ihr wisst, dass Hitler seinen Krieg unrettbar verloren hat …“ Mit diesen Worten wandte sich Dr. Theodor Thilo Neubauer im Herbst 1943 in einem illegalen Flugblatt an die Öffentlichkeit lange bevor die deutschen Offiziere in der Bewegung des 20. Juli 1944 aktiv wurden. Neubauer stammt aus den gleichen bürgerlichen Kreisen wie einige dieser Offiziere. Er wurde am 12. Dezember 1890 als Sohn eines Gutsinspektors in Ermschwert bei Witzenhausen an der Werra geboren. Als die Familie 1900 nach Erfurt übersiedelte, besuchte er das königlich-preußische Gymnasium. Anschließend studierte er Geschichte und neuere Sprachen an den Universitäten Brüssel, Jena und Berlin.

Bereits 1912 erschien in den „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt“ 1912 die erste historische Abhandlung des Studenten über „Die direkte Besteuerung in der mittelalterlichen Stadt Erfurt und die Verrechtsbücher“. Seine Dissertation von 1913 behandelte „Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor Beginn der Reformation“. Neubauers „verständnis- und liebevolle Beschäftigung mit der Erfurter Geschichte“ wurde von seinem Lehrer und Direktor des Gymnasiums, Prof Johannes Biereye, besonders hervorgehoben: „Er könnte bei seinem bewundernswerten Fleiße und bei seiner wissenschaftlichen Begabung auf diesem Gebiete der Stadt Erfurt die wertvollsten Dienste leisten, wie er bisher schon solche geleistet hat.“

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit liebte Neubauer Natur und Sport, besonders Wandern, Skilaufen und das Fußballspiel. Er schloss sich als Jugendlicher der Wandervogelbewegung an, die gegen die satte Wohlhabenheit und das Spießertum des Bürgertums opponierte. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete er sich, angesteckt vom im Siegestaumel seines deutschnational eingestellten Elternhauses, als Freiwilliger.

Auch während des Krieges beschäftigte sich Neubauer mit der Erfurter Stadtgeschichte. In der Arbeit „Aufgaben und Probleme der Ortsgeschichte dargestellt an der Geschichte der Stadt Erfurt“ schrieb er einleitend: „Die nachfolgenden Kapitel sind im Felde, zum größten Teil im vordersten Schützengraben entstanden. Ein achtmonatiger Stellungskrieg machte zwar die Beschäftigung mit neuen wissenschaftlichen Aufgaben unmöglich, bot jedoch reichlich Gelegenheit, das bereits Bearbeitete zu durchdenken … und über die Ziele und die Arbeitsweise der ortsgeschichtlichen Forschung Betrachtungen anzustellen. Die Ortsgeschichte hat seit einigen Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung genommen. Auf ihren Ergebnissen beruht die große allgemeine Umwandlung unserer Geschichtsauffassung, die uns die Gebiete der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte erschloss. Aber indem die Ortsgeschichte in die großen Zusammenhänge der vaterländischen Geschichte hineingestellt wurde, haben sich ihre Aufgaben so gesteigert, ihre methodischen Probleme so vermehrt, dass es von Zeit zu Zeit immer wieder nötig sein wird, sich darüber Rechenschaft zu geben … welcher Reichtum an interessanten und weittragenden Aufgaben und Problemen in der Ortsgeschichte enthalten ist.“

Als der mehrfach Verwundete wegen einer schweren Gasvergiftung 1917 aus dem Heeresdienst entlassen wurde, war aus dem begeisterten Kriegsfreiwilligen ein Kriegsgegner geworden, dessen bisherige Auffassungen über den Sinn des Lebens zerbrochen waren. Auf der Suche nach der Wahrheit begann er, sich mit Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung auseinanderzusetzen. Später äußerte er sich in einer Rede im Thüringer Landtag: „Ich erinnere daran, jeder, der in der Schule gewesen ist, jeder, der auf der Schulbank in Deutschland gesessen hat, weiß, wie systematisch Stunde für Stunde, Woche für Woche, Jahr für Jahr die Köpfe unserer Schuljugend vergiftet worden sind, so dass wir schließlich geglaubt haben, dass unsere Lehrer uns nicht belügen können. Das haben wir geglaubt und mussten es glauben, weil wir Schüler waren, weil wir jung waren, weil diese Lehrer unsere Vorbilder sein sollten. Und wie hat man uns in den Krieg hineingelogen. Diejenigen, die wie ich auf der Universität gewesen sind, wissen, dass der Chauvinismus auf der Universität ein Riesennetz von Verhetzung um uns gestrickt hatte. So hat man Millionen in den Krieg hineingelogen, weil wir nicht glauben konnten, dass man uns Jahr um Jahr belog. … Jetzt, da der Krieg zusammengebrochen ist, ist die Verlogenheit vielleicht noch größer als vorher.“

Am 1. Oktober 1917 begann Neubauer als Hilfslehrer an der Königin-Luise-Schule, dem Erfurter Lyzeum, zu unterrichten, wo er ein Jahr später als Oberlehrer bestätigt wurde. Nach der Novemberrevolution 1918 schloss er sich für kurze Zeit der Deutschen Demokratischen Partei an. Beeinflusst durch Diskussionen in Arbeiterkreisen und ehemaligen Frontsoldaten wechselte er zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Mit diesem politischen Wandel stand er konträr zu seinem Elternhaus. Seine im September 1919 veröffentlichte Schrift „Vom Recht des Kindes“, in der er gegen überholte Erziehungsmethoden aufgetreten war, rief bei den Eltern seiner Schülerinnen heftigen Protest hervor. Noch unbeliebter machte er sich mit der Broschüre „Die neue Erziehung der sozialistischen Gesellschaft“, in der er das bestehende Erziehungs- und Bildungssystem in Frage stellte, eine enge Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule forderte und sich für die Einführung der Schüler in den Produktionsprozess, in handwerkliche produktive Tätigkeit, aussprach.

Als einziger Lehrer des Lyzeums beteiligte sich Neubauer am Generalstreik der Gewerkschaften zur Niederschlagung des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920. Das verschaffte Schulverwaltung und Eltern nun den offiziellen Grund, den Andersdenkenden in einem von politischer Intoleranz, Verleumdungen und Gehässigkeiten begleiteten Verfahren aus dem Erfurter Schuldienst zu entlassen. Der Gothaer Schulrat Hugo Jacobi (USPD) vermittelte Neubauer an die Städtische Realschule Ruhla. Hier hatte auch Hedwig Neubauer, mit der er seit 1915 verheiratet war, eine Anstellung als Lehrerin für den Biologieunterricht gefunden. Was Neubauer in seinen Schriften theoretisch vertrat - Einheitsschule, Arbeitsschule und weltliche Schule - versuchte er nun in Ruhla in ganz kleinen Schritten praktisch umzusetzen. Er machte Hausbesuche, um die Eltern und das soziale Umfeld seiner Schüler kennen zu lernen, schuf mit Lob und Tadel eine günstige Lernatmosphäre, diskutierte mit den Schülern über aktuelle Ereignisse und regte sie zu eigenen Gedanken und zu kritischem Verhalten an. Neubauer hatte auch die ersten Jugendweihen in Ruhla und Umgebung eingeführt.

In Vorbereitung des Zusammenschlusses des linken Flügels der USPD mit der KPD im Herbst 1920 legte er im Gebiet von Ruhla und Westthüringen auf vielen Versammlungen seine Auffassungen dar. Er war ein ausgezeichneter Redner und erklärte alles mit einfachen, verständlichen Worten, so dass dem „roten Doktor“, wie man ihn liebevoll nannte, eine hohe Achtung entgegengebracht wurde. Auch seine Artikel für das „Gothaer Volksblatt“, die Presse der USPD und später der KPD, waren sehr verständlich geschrieben. Ende 1920 wurde Neubauer in die Gemeindevertretung von Ruhla gewählt, wo er sich besonders um soziale Fragen kümmerte. Am 1. Mai 1921 weihte er in Bad Thal das Denkmal für die von reaktionären Marburger Studenten im März-Putsch 1920 bei Mechterstädt ermordeten 15 Arbeiter aus dem Ort ein.

Nach der Landtagswahl vom September 1921 zog Neubauer mit weiteren fünf Abgeordneten der KPD in den Thüringer Landtag ein. Als Pädagoge vertrat er hier vor allem bildungspolitische Fragen. Er hatte sich aber auch mit den für ihn nicht alltäglichen Themen Justiz-, Steuer- und Finanzpolitik, Fragen der Gemeinde- und Kreisordnung und Wohlfahrtsgesetzgebung zu befassen. Für jede neue Aufgabe musste er sich unter hohem Arbeitsaufwand kundig machen. 1922 brachte die Landtagsfraktion der KPD einen Entschließungsentwurf gegen die monarchistische, nationalistische und revanchistische Propaganda in den höheren Schulen ein, der von der Landtagsmehrheit zum Beschluss erhoben wurde. Auch der Antrag für die Abschaffung der Prügelstrafe, den Neubauer begründete, wurde mit Unterstützung der sozialdemokratischen Abgeordneten in Thüringen durchgesetzt. Die umfangreiche Arbeit im Landtag erforderte einen Umzug nach Weimar, wo Neubauer als Studienrat am Realgymnasium, der Sophienschule, eine Anstellung fand. Ein schwerer Schicksalsschlag traf den Familienvater, als bei der Geburt seines zweiten Kindes 1923 seine Frau starb.

Als nationalistische Kräfte besonders in Bayern im Verlauf der Wirtschafts- und Finanzkrise an die Macht drängten, verwies Neubauer im Mai 1923 im Landtag auf die Notwendigkeit von Selbstschutzorganisationen gegen die zunehmende rechte Gefahr. Am 16. Oktober 1923 kam es in Thüringen auf der Grundlage eines gemeinsamen Programms zu einer Regierung mit Sozialdemokraten und Kommunisten. Theodor Neubauer wurde als Oberregierungsrat und später Staatsrat im Innenministerium berufen.

Die Gegner der Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen versuchten mit allen Mitteln deren Arbeit zu stören. So wurde beispielsweise die Lebensmittelzufuhr aus Bayern und aus Gebieten nördlich von Thüringen blockiert. Neubauer prangerte in seiner Landtagsrede am 23. Oktober an, dass die Ernte systematisch zurückgehalten wird, das Volk hungere und noch nicht einmal die allernotwendigsten Lebensmittel zu kaufen waren. Zur allgemeinen Not konstatierte er, dass „während das Proletariat bis auf ein Nichts verarmt ist, während diese Mittelschichten zum großen Teile auf das furchtbarste proletarisiert sind, gleichzeitig eine ungeheure Kapitalmacht sich in den Händen einzelner gesammelt hat und dass die Kriegsgewinne … noch gar nichts bedeuten gegen die Nachkriegsgewinne.“

Gleichzeitig warnte er 1923 in seiner Landtagsrede vor der Gefahr von rechts: „In diesen Tagen noch hat in Nürnberg wieder eine Parade bewaffneter Hitlerformationen stattgefunden, Aufzüge in den Straßen in voller Ausrüstung mit Stahlhelm, Revolver, Karabiner, also in voller militärischer Aufmachung. Gegen Bayern aber wendet sich keiner von Ihnen, sondern nur da in Thüringen oder in Sachsen die Arbeiterschaft die ersten schwachen Versuche macht, sich zu formieren, sich gegen die Gefahren zusammenzustellen, sind Sie sofort dabei und posaunen in die Welt hinaus, dass in Thüringen ganz gefährliche ‚kommunistische Umtriebe’ den Bestand der Republik gefährden. In Bayern aber gelten diese Maßnahmen als erlaubt, und jeder von denen, die sich heute über die proletarischen Hundertschaften aufregen, weiß, dass diese proletarischen Hundertschaften erst Jahre später errichtet worden sind als die Faschistenorganisationen; erst dann als diese Faschistenorganisationen zu einer drohenden Gefahr geworden waren…“

Als Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) die Reichswehr nach Sachsen und Thüringen einmarschieren und die Rot-rote-Regierungen stürzen ließ, musste Theo Neubauer flüchten, obwohl er die Immunität eines Landtagsabgeordneten besaß. Seitdem lebte er unter anderem Namen im Rhein-Ruhr-Gebiet. Erst als er von der KPD für den Reichstag kandidierte und gewählt wurde, konnte er sich wieder frei bewegen. Damit musste das gegen ihn schwebende Verfahren wegen Hochverrat eingestellt werden.

Neubauer wirkte im Reichstag als Finanz- und Steuersachverständiger. Ende des Jahres 1925 begründete er den Antrag der KPD zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten. Er hatte darin aufgeführt, wie der Adel im Verlauf der Jahrhunderte durch Gewaltmaßnahmen und Krieg oder Bauernlegen in den Besitz von Ländereien kam und sein Vermögen auf Kosten des Volkes vergrößern konnte. Am Beispiel der thüringischen Fürstentümer deckte er die hohen Summen von geforderten Entschädigungen auf, während beim städtischen und ländlichen Kleinbürgertum, bei Kriegsbeschädigten, Arbeitslosen und Witwen die soziale Lage sich maßlos verschlechterte. Er plädierte für den Grundsatz: „Alles, was Krongut und Fürstengut war, … gehört dem Volk, muss der Bevölkerung zurückgegeben werden!“

Nicht nur im Reichstag entlarvte Neubauer die Demagogie der Nationalsozialisten. Auch in öffentlichen Veranstaltungen, wie z.B. bei der Kundgebung am 19. Oktober 1931 im Berliner Saalbau Friedrichshain, deckte er den Zusammenhang zwischen Großkapital und Nazipartei auf: „…die Herren, die mit Hitler und Hugenberg dort in Harzburg die ‚nationale Opposition’ aufzogen. Das sind die Kapitalisten, das sind die Scharfmacher des deutschen Kapitalismus, das sind die Einpeitscher, das sind die arbeiterfeindlichsten, reaktionärsten Elemente des deutschen Kapitals. Da muss sich der nationalsozialistische Arbeiter fragen: Wo stehst du, Prolet? Du stehst zusammen mit diesen Leuten vom Stahltrust, vom Kalikapital und vom Werftkapital. Dorthin hast du dich verlaufen, Prolet. Gehörst du zu diesen Halsabschneidern?“

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten konnte nicht verhindert werden. Nach dem Reichtagsbrand musste Neubauer in die Illegalität gehen, wurde jedoch am 3. August 1933 verhaftet. Als er im Reichstagsbrandprozess als Zeuge vorgeführt wurde, unterstützte er die Beweisführung Georgi Dimitroffs und bekannte sich zu seinen sozialistischen Idealen. Für seine Freilassung aus dem KZ setzten sich namhafte Professoren und Dozenten der Universitäten Oxford und Cambridge sowie viele englische Lehrer ein.

Nach sechs Jahren Haft wurde Theodor Neubauer im April 1939 aus dem KZ Buchenwald entlassen. Namhafte Professoren und Dozenten der Universitäten Oxford und Cambridge sowie viele englische Lehrer hatten sich dafür eingesetzt. Seine Familie (er hatte ein zweites Mal geheiratet) wohnte nun in Tabarz. Er bekam eine Tätigkeit als Lagerleiter bei Opel-Beuchel in Gotha zugewiesen. Zu seinen Aufgaben gehörte, Ersatzteile für Kraftfahrzeuge zu verwalten. Seine Tochter bemerkte dazu: „In wenigen Tagen paukte er sich die Namen und Daten von Hunderten von Einzelteilen, Schrauben und Schräubchen ein, um die entsprechenden Auskünfte geben oder die Ersatzteile für die Autos, in der Mehrzahl Heeresfahrzeuge, heraussuchen zu können.“ Seine Gewissenhaftigkeit verschaffte ihm Anerkennung im Betrieb und vergrößerte seine Bewegungsfreiheit. Er konnte nun im Auftrag der Firma sogar Reisen unternehmen, die ihm gelegentlich die Möglichkeit boten, Verbindung mit Gleichgesinnten herzustellen. Schon im KZ hatte er Erfahrungen in der illegalen Arbeit gesammelt. Unter größter Vorsicht entstanden Verbindungen zu Magnus Poser, Georg Schumann, Anton Saefkow und anderen Hitlergegnern, meist Kommunisten. Mündliche Absprachen mit Neubauer in Tabarz fanden meistens bei Spaziergängen im Thüringer Wald statt. Im Mittelpunkt der illegalen Widerstandsarbeit standen Aktionen in Betrieben der Kriegindustrie und zur Aufklärung der Bevölkerung, den mörderischen Krieg zu beenden und das Hitlerregime zu beseitigen. Dazu waren auf Vervielfältigungsapparaten Flugblätter hergestellt worden. Im Herbst 1943 war es der illegalen Gruppe um Neubauer und Poser gelungen, im Klischee-Druck Flugblätter herzustellen. So entstanden in den folgenden Monaten fünf zum Teil mehrseitige Flugblätter mit einer Auflagenhöhe von 560 – 1500 Exemplaren. Die meisten Texte, darunter auch für französische Kriegsgefangene, hatte Neubauer selbst verfasst.

Im Jahre 1943 schrieb Neubauer in einem Flugblatt: „Ihr wisst, dass Hitler seinen Krieg unrettbar verloren hat, dass jeder Tag der Kriegsverlängerung die Grundlagen weiter zerrüttet und untergräbt, auf denen der Wiederaufbau Deutschlands nach der Hitler-Katastrophe erfolgen muss, dass es daher das höchste Lebensinteresse des deutschen Volkes sein muss, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet wird. Dennoch haben sehr viele in Deutschland die größte Angst vor der unvermeidlichen Niederlage, weil sie sehr gut wissen: welche furchtbaren Verbrechen von Deutschen in Polen, Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland begangen worden sind, mit welch grausigen Methoden die jüdische Bevölkerung Deutschlands und aller unterworfenen Länder hingemordet wurde, welche bestialischen Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung der eroberten Länder, vor allem Sowjetrußlands verübt wurden, welche unmenschlichen Verbrechen an den russischen Kriegsgefangenen begangen worden sind.“ Aber er beantwortete auch die Frage: „Wer muss wirklich Angst haben vor der kommenden Vergeltung? Natürlich Hitler und die verantwortlichen Führer der Nazis, ferner alle, die sich zum Werkzeug ihrer Verbrechen hergeben, aber nicht die Masse des Volkes, die diesen Verbrechen fern steht.“

Nachdem sich zu einer illegalen Zusammenkunft deutscher Antifaschisten ein Spitzel eingeschlichen hatte, wurden viele Widerstandskämpfer, darunter auch Theodor Neubauer am 14. Juli 1944 in Tabarz verhaftet. Der faschistische Volksgerichtshof verurteilte ihn am 8. Januar 1945 zum Tode, das Urteil wurde am 5. Februar im Zuchthaus Brandenburg vollstreckt, nur wenige Monate vor der Befreiung vom Hitlerfaschismus. In seinem letzten Brief an seine Familie schrieb er: „Liebste Frau! Geliebte Tochter! Liebe Anna! Euch alle drei grüße ich jetzt zum letzten Mal. Ich sterbe mit festem Herzen – selbstverständlich. In inniger Liebe Euer Theo“

Helga Raschke

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news-41519 Tue, 21 Jan 2020 14:47:34 +0100 Die sozialistische Arbeiterbewegung in Thüringen 1918 bis 1923 https://th.rosalux.de/publikation/id/41519?cHash=69b380f477082b253984c31c0ac32f9c Eine Zeitleiste zu politischen Ereignissen und Aktionen Der Geschichte der Thüringer Arbeiterbewegung wurde in den letzten Jahren wieder ein größeres publizistisches Interesse entgegengebracht. Dies hängt nicht zuletzt mit den einhundertsten Jahrestagen zusammen, die beginnend mit dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) und der Novemberrevolution 1918 die Öffentlichkeit beschäftigt haben und immer noch beschäftigten.

In den kommenden Monaten und Jahren stehen mit dem Generalstreik zur Niederschlagung des Kapp-Putsches im März 1920, der Gründung des Landes Thüringen am 1. Mai 1920 sowie der sozialistischen Landesregierung unter August Frölich (1921 bis 1923) weitere hundertjährige Jubiläen an, die mehr oder weniger die öffentliche Erinnerungen beschäftigen werden.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen veröffentlicht aus diesem Anlass eine Zeitleiste zu den politischen Ereignissen und Aktionen der Jahre 1918 bis 1923. Der Broschüre liegt zudem eine thematische Landkarte Thüringens bei.

Die Broschüre mit Karte kann unter  thueringen@rosalux.org  bestellt und hier heruntergeladen werden.

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